Hoshin Engi © 1996-2000 Ryu Fujisaki, Shueisha

Und wieder auf den letzten Drücker~ Dieses Mal lag es an meinem Urlaub.
Diesen Monat möchte ich euch einen Titel vorstellen, der mich sehr stark geprägt hat: Hoshin Engi.

Hoshin Engi

Unterschätzt und untergegangen

Bevor der Manga im Jahr 2003 von Egmont nach Deutschland gebracht wurde, kannte ich die Serie lediglich von dem im Internet kursierenden Opening, das mich völlig fasziniert hatte. Ich hatte keine einzige Episode des Animes geschaut oder auch nur ein Kapitel des Mangas gelesen.
Im Sommer 2003 erschien dann schließlich der erste Band. Damals war ich 12 Jahre alt und hatte gerade erst mit dem Sammeln von Mangas begonnen. Letzten Endes musste ich mich dann bis zu meinem 13. Geburtstag gedulden, bis mir mein Cousin auf Wunsch schließlich den ersten Band schenkte.
Rückblickend frage ich mich ernsthaft, wie mich dieser komplexe Titel schon in so jungen Jahren dermaßen packen konnte.

1999 erschien in Japan eine Anime-Umsetzung zum Manga, die überhaupt nicht empfehlenswert und wirklich nur vom Namen her noch etwas mit Hoshin Engi zu tun hat. In seinem Oneshot Dramatic Irony veröffentlichte Ryu Fujisaki 2001 noch ein Special zu Hoshin Engi.
Der Anime erschien tatsächlich auch hierzulande auf Disk und lief im Pay-TV-Senderverbund Premiere. 2016 brachte Nipponart eine Neuauflage der DVD-Fassung in einer hübschen Komplettausgabe. Der Anime ist allerdings echt nur was für Hardcore-Fans und wenn man sich ihn überhaupt anschauen möchte, dann sollte man das tun, nachdem man den Manga gelesen hat.

Von Ryu Fujisaki durfte man hierzulande noch den Manga Shiki bewundern, ebenfalls bei Egmont erschienen. Bei diesem Titel hat er allerdings nur gezeichnet. Aktuell zeichnet er an der Neuauflage des Mangas zu Legend of the Galactic Heroes.

Die Eckdaten

Name: Hoshin Engi
Original: 封神演義
Autor/ Zeichner: Ryu Fujisaki
Übersetzer: Nadine Stutterheim (Japanisch -> Deutsch)
Bände: 23
Preis: 5,00 € (Neupreis, mittlerweile allerdings komplett verlagsvergriffen)
Lizenzinhaber: Egmont
Genre: Shounen, Action, Komödie, Fantasy

Die Handlung

Der unsterbliche, angehende Sennin Taikobo hat keine Lust auf irgendwas. Trotzdem schickt ihn sein Vorgesetzter, der ehrwürdige Genshi, auf eine brandgefährliche Mission: Taikobo soll der schönen und bösen Fuchsdämonin Dakki das Handwerk legen.
Dakki untergräbt schon seit Jahrhunderten etliche Herrscher-Dynastien des chinesischen Reiches, um selbst in Reichtum und Macht zu schwelgen. Dabei schreckt die gewiefte Schönheit vor nichts zurück. Dazu muss Taikobo 365 Seelen bannen. Dieses Unterfangen nennt sich das Hoshin-Projekt.
Zunächst weigert sich Taikobo dieses Himmelfahrtskommando auszuführen, als ihm Genshi jedoch damit droht, ihn nicht als Sennin in die himmlischen Gefilde zuzulassen, muss sich der vermeintliche Held doch seinem Schicksal beugen.
Für Taikobo beginnt ein abenteuerlicher und gefährlicher Kampf gegen ein scheinbar unzerstörbares Machtgebilde gesponnen aus Intrigen und Magie.

Hoshin Engi © 1996-2000 Ryu Fujisaki, Shueisha

Meine Meinung

Vor Hoshin Engi kannte ich nur wenige Shoujo-Manga, die ich mir selbst gekauft hatte und diverse Mangas meines Bruders. Zum damaligen Zeitpunkt war mir gar nicht bewusst, wie einzigartig diese Perle eigentlich unter den Shounen-Titeln war.
Das wurde mir dann erst sehr viel später bewusst, als sich die Serie auf ihr Ende zubewegte. Vier Jahre begleitete Hoshin Engi meinen Lebensweg und selbst 10 Jahre, nachdem ich den Manga gelesen habe, kann ich nicht behaupten, etwas Vergleichbares gelesen zu haben.

Worauf lasse ich mich ein?

Hoshin Engi hat eine eigenwillige Optik, ungewöhnliche Charaktere in rauen Mengen und eine verworrene Geschichte.
Als ich die Serie in meiner Jugend las, weiß ich noch, wie meine Freundinnen über diesen Titel gedacht haben. Egal, wie sehr ich ihnen Hoshin Engi auch ans Herz gelegt hatte, die Serie sagte ihnen optisch einfach nicht zu.

Man darf aber nicht vergessen, dass der Titel im Weekly Shounen Jump lief. DER Shounen-Manga-Zeitschrift schlechthin in Japan. Und das vier Jahre lang. Die Serie hat es auf 23 Bände gebracht. Wenn man sich die Cover der Bände anschaut, wagt man es kaum zu glauben, dass Hoshin Engi gegen Serien wie Naruto und One Piece über Jahre hinweg bestehen konnte.
Wenn man dann aber mal reinliest, wird einem deutlich klar, warum es die Serie eben doch konnte.

Hoshin Engi © 1996-2000 Ryu Fujisaki, Shueisha
Wenn der Held kein Held ist

Taikobo war der erste faule Held, mit dem ich in Mangas zu tun hatte. Während die meisten Helden, die keine Helden sein wollen, im Laufe der Geschichte auftauen, und ihre Aufgabe dann doch erhobenen Hauptes ausführen, bleibt Taikobo bis zum Schluss seinen Prinzipien treu.
Natürlich nimmt er die Aufgabe schließlich an, doch aus anderen Gründen: Er hasst Gewalt und er ist entsetzt darüber, was Dakki über Jahrhunderte angerichtet hat. Letzten Endes wird der Kampf gegen Dakki ein Kampf gegen die Weltordnung, die Taikobo ankotzt.
Taikobo möchte Konflikte gewaltfrei lösen und deshalb versucht er mit Tricks und seinem messerscharfen Verstand Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Das klappt natürlich nicht immer.
Taikobo besitzt ein Paopei (eine göttliche Waffe), das wie eine Antenne aussieht und den Wind kontrollieren kann. Seine Kampfkraft erhöht sich zwar im Laufe der Geschichte, aber er fechtet nicht ansatzweise den Großteil der Kämpfe aus. Bei einem Unterfangen dieser Größe stehen ihm zahlreiche Verbündete zur Seite, die oftmals das Kämpfen übernehmen.
Immer dabei: Taikobos gelbes, fliegendes Nilpferd Supushan. Klingt albern, ist es auch. Supushan redet Taikobo immer ins Gewissen und durchblickt zunächst Taikobos Pläne nicht, weshalb er Taikobo stets mit Kritik für seine zunächst unsinnigen Aktionen bombardiert.

Hoshin Engi © 1996-2000 Ryu Fujisaki, Shueisha
Zwischen Historie und Fiktion

Hoshin Engi basiert auf einem chinesischen Roman aus der Ming-Dynastie (1368-1644 n. Chr.) namens Fengshen Yanyi, Hoshin Engi ist lediglich die japanische Lesung der chinesischen Schriftzeichen. Der Roman spielt in der Zeit des Umbruchs von der Shang-Dynastie zur Zhou-Dynastie, zeitlich ist das so ca. 1000 v. Chr.
Der Roman umfasst über 100 Kapitel und ist vollgestopft mit historischen und fiktiven Charakteren. Ryu Fujisaki adaptierte viele dieser Charaktere in sein Hoshin Engi.
Der erwachsene Stoff wurde für ein jugendliches Publikum aufgearbeitet. Das bedeutet natürlich, dass man sich nur lose an die Romanvorlage halten konnte.
Der Charme einer verworrenen Geschichte von Intrigen und göttlichen Machtkämpfen bleibt natürlich erhalten und macht auch den Reiz von Hoshin Engi aus.
Jeder Charakter ist einzigartig und optisch individuell ausgearbeitet. Das ist zum einen sehr beeindruckend und dann auch wieder etwas anstrengend.

Hoshin Engi © 1996-2000 Ryu Fujisaki, Shueisha
Verworren, aber nicht verloren

Bedingt durch die anspruchsvolle Vorlage ist auch die Handlung von Hoshin Engi nicht immer durchsichtig und durch die unzähligen Charaktere vielleicht auch mal verwirrend, wenn man nicht richtig aufpasst.
Während man bei anderen Shounen-Titel auch mal ein paar Kapitel auslassen kann, kann ich das bei Hoshin Engi nicht raten. Die Geschichte geht stetig voran und wechselt stets zwischen actiongeladenen Kämpfen und spannenden Mind Games. Nebenbei laufen doch komplexe Intrigengebilde und etliche andere Dinge ab. Man muss sich irre viel merken.
Wer hier mit ausgeschaltetenen Gehirn liest, kommt schnell ins Stolpern. Wenn man aber bei der Geschichte durchsteigt, wird man auf hohem Niveau unterhalten.

Hier kein Hit

Leider war Hoshin Engi im deutschsprachigen Raum kein Hit. Die Optik, die Länge der Serie und vielleicht auch der fragwürdige Anime haben es dem Manga schwer gemacht. Die Zeit war vielleicht auch einfach nicht für so einen Titel bereit. Ach, was sag ich da. Solche Titel laufen auch heute nicht gut bei uns.
Ist der Inhalt mal einen Tick anspruchsvoller schalten viele Leser ab und entsprechen die Zeichnungen nicht dem Einheitsbrei, dann wird es eh ganz besonders schwer.
Ich finde es wirklich schade, dass der Serie so wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Sie hätte es mehr als verdient gehabt. Mich hat diese Serie sehr stark in meiner Jugend geprägt und strahlt noch bis heute in meinen Geschmack. Dank Hoshin Engi habe ich keine Angst vor Titeln, die von der Norm abweichen. Danke dafür. 🙂

Fazit

Ryu Fujisaki hat mit Hoshin Engi nicht nur sein Lebenswerk geschaffen. Er hat damit einen Titel gezeichnet und geschrieben, der sich auch noch gegen heutige Titel bewähren kann, ohne dabei auch nur irgendwie zu verblassen.
Ein jeder unter euch, der sich mit ungewöhnlichen Titeln und ungewöhnlichem Artwork anfreunden kann, wird mit Hoshin Engi mehr als nur glücklich sein. Die Bücher sind allerdings bereits alle verlagsvergriffen und man muss auf den Gebrauchtmarkt zurückgreifen.

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