Ich bin wieder zurück! Künftig gibt es hoffentlich wieder mehr Manga-Reviews von mir. Allerdings möchte ich euch auf jeden Fall einmal im Monat einen Titel vorstellen, der mich ganz besonders mitgerissen oder bewegt hat. Ich werde dabei allerdings mit unseren üblichen Bewertungskriterien etwas brechen.
In den Tipps möchte ich euch diverse Manga-Titel aus meiner Sammlung vorstellen. Das können uralte Titel oder aber auch neue, sogar noch laufende Serien sein. Das einzige Kriterium ist: Ich konnte das Buch beim Lesen einfach nicht mehr weglegen.
Liar Game deutsches Cover

Liar Game

Wem kannst du noch trauen?

Den Anfang macht Liar Game. 2015 verfasste ich schon einmal eine ausführliche Review zum 1. Band.
Der erste Band war ein Rezensionsexemplar, zuvor war mir die Serie überhaupt nicht aufgefallen.
Allerdings veranlasste mich das Ganze schließlich dazu, mir die Serie vollständig zuzulegen. Und dann … passierte erst mal lange nichts. Ich kaufte monatlich immer einen Band nach und wartete schließlich auf die Veröffentlichung des 19. und letzten Bandes im Oktober 2016. Im darauf folgenden November widmete ich mich schließlich der Serie. Anfang Januar 2017 war ich schließlich durch damit und bin von einer Serie so begeistert wie schon lange nicht mehr.

In Japan gibt es noch einen One-Shot mit der Vorgeschichte vom männlichen Hauptcharakter Shinichi Akiyama, außerdem diverse Live Action-Verfilmungen.

Die Eckdaten

Name: Liar Game
Original: ライアーゲーム
Autor/ Zeichner: Shinobu Kaitani
Übersetzer: Claudia Peter (Japanisch -> Deutsch)
Bände: 19
Preis: 7,50 € – 8,50€
Lizenzinhaber: Egmont
Genre: Thriller, Psychodrama, Mystery

Die Handlung

Nao Kanzaki ist ein Gutmensch, wie er im Buche steht. Sie ist naiv, zuvorkommend und freundlich. Als sie vor ihrer Haustür 100 Millionen Yen mit dazugehöriger Einladung zum Liar Game findet, fällt sie aus allen Wolken.
Wenn sie sich weigert, an dem Spiel teilzunehmen, oder verliert, nimmt man ihr die 100 Millionen Yen wieder ab und sie muss eine Strafe von 100 Millionen Yen zahlen. Aus lauter Verzweiflung wendet sie sich an den Betrüger Shinichi Akiyama. Dieser willigt ein und die beiden stellen sich dem Liar Game.
Nao gerät in einen Strudel aus Lügen, Verrat und Misstrauen. Kann sich eine ehrliche Haut wie sie in einem Haifischbecken wie dem Liar Game bewähren, in dem es nur so vor Betrügern wimmelt?

Liar Game Cover Band 7 © Shinobu Kaitani, Shuueisha Inc.

Meine Meinung

Nach dem ersten Band fand ich Liar Game gut – wirklich gut. Doch als ich dann anfing, die Serie darüber hinaus zu lesen, wurde die Geschichte immer intensiver, die Charaktere immer besser und die Kniffe immer trickreicher.
Irgendwann hatte ich mich dann völlig in der Reihe verloren. Es gab kein Entrinnen mehr aus dem Liar Game – Weder für mich, noch für Nao oder Akiyama.

Worauf lasse ich mich ein?

19 Bände sind nicht gerade wenig. Und die Bücher sind verhältnismäßig teuer. Der Preis beginnt bei 7,50€ und erhöht sich bis zum letzten Band auf 8,50€. Wer sich also diese Reihe neu zulegen möchte, sollte das nötige Kleingeld besitzen. Allerdings ist dieser Preis nicht unverschämt. Wenn man es an der Zeit misst, die ich pro Band gebraucht habe, dann ist das im Vergleich zu anderen Titeln ein echtes Schnäppchen. Zwischen 2 bis 3 Stunden habe ich an einem Band gelesen. Einen Band Dragon Girls lese ich in 30 Minuten und der kostet 12€. Nur so zum Vergleich.

Der verhältnismäßig hohe Preis bei Liar Game rührt jedoch daher, dass sich die Serie einfach schlecht verkauft hat und man dementsprechend den Preis anpassen musste. Nicht verwunderlich, wenn man sich mal die deutsche Cover-Gestaltung anschaut (1. Bild im Beitrag). Jeder Band sieht bis auf die Nummerierung gleich aus. Außerdem hat man auf die originale Cover-Gestaltung (2. Bild im Beitrag) verzichtet.
Die meisten Kunden kaufen nach dem Cover. Spricht das nicht an, hat die Serie eigentlich schon verloren. Auch wenn das einheitliche, recht schmucklose Cover in der deutschen Fassung etwas Edles hat, muss man einfach sagen, dass das vielleicht nicht die klügste Entscheidung war.

Gut, die originalen Cover sehen jetzt auch nicht nach Meisterwerken aus. Das liegt aber wohl daran, dass Liar Game sich auch nicht über die Zeichnungen verkauft. Es ist eher die Story und die Charaktere, die den Leser in ihren Bann ziehen.

Liar Game Cover Band 16© Shinobu Kaitani, Shuueisha Inc.
Ein Mind Game der anderen Art

Wer Death Note für ein tolles Mind Game hält, der sollte sich bei Liar Game warm anziehen. Die Kniffe und Tricks sind sehr viel ausgeklügelter und die Charaktere überraschen immer wieder gerne mit neuen Abgründen. Dafür gibt es keine Action, keine Zeichnungen von Takeshi Obata und keine Schönlinge. Auf geistiger Ebene wird man dafür mehr gefordert. Und das ist auch verdammt gut so!
Die ein oder andere Wendung kann man vorhersehen, aber die heftigen Plottwists konnte zumindest ich nie kommen sehen und davon gibt es so einige, was die Spannung natürlich immer schön hoch hält.

Vom naiven Küken zur Henne im Korb

Nao Kanzaki durchläuft in dieser Reihe eine wundervolle Charakterentwicklung. Am Anfang kann man sie etwas nervig finden, aber sie macht sich mit jeder weiteren Runde des Liar Games und wird schließlich zu einer wahren Bedrohung für ihre Gegenspieler.
Das Band, das zwischen ihr und Akiyama geknüpft wird, ist darüber hinaus auch schön zu beobachten. Wer sich hier allerdings eine riesige Romanze erhofft, sollte wohl lieber zu einem Romance-Titel greifen… Man könnte womöglich enttäuscht werden.

Auch Bösewichte gibt es, die nicht nur überzeugend, sondern auch völlig nachvollziehbar handeln. Demnach verschwimmt die Grenze zwischen den Guten und Bösen genau wie in der Realität zu einer Grauzone. Als Leser fragt man sich oft: „Wer ist nun der Böse und ist er auch wirklich so böse wie anfangs gedacht?!“
Der Ausgang jedes Spiels bleibt immer wieder bis zum Schluss völlig offen. Es ist außerdem nicht vorherzusehen, wer nun gewinnt und wer nicht. Ist der Gewinner dann aber auch wirklich der „Sieger“? Oder ist eine Niederlage manchmal nicht sogar besser?

Die Verzweiflung der Charaktere ist manchmal so greifbar, dass dieses beklemmende Gefühl auf mich übersprang und ich mir nur wünschte, dass es irgendwie einen Weg aus der Misere gibt.

Naher Bezug zur Realität

Liar Game zeigt dem Leser, wie die Welt da draußen läuft und wozu sich der Mensch aus Gier oder Angst verleiten lässt. Wie weit kann uns Verzweiflung treiben und was wird dann aus unseren Idealen? Oder sind Menschen mit großen Idealen nur Heuchler? Wie lange kann man seinen Prinzipien treu bleiben, wenn man am Abgrund steht?
All diese Fragen werden in Liar Game behandelt. Es ist nicht so, als würde der Autor Shinobu Kaitani nun mit erhobenen Zeigefinger den Moralapostel spielen, aber dennoch soll man mal über sich selbst und sein Verhalten nachdenken.

Fazit

Liar Game ist ein großartiges Mind Game, das sich über mehrere Spielrunden erstreckt und immer wieder neue Spiele mit neuen Kniffen und Tricks liefert. Die Charaktere sind anfangs etwas schwach, werden aber im Verlauf wirklich herausragend. Die Entwicklung gleich mehrerer Charaktere ist wirklich gut zu verfolgen und macht einfach Spaß.
Die Zeichnungen sind nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend. Man sollte also nicht zu sehr auf die künstlerische Komponente wert legen. Dafür bekommt man eine Vielzahl verschiedenster Menschen zu Gesicht, allesamt erwachsen und mit allem dabei von hässlich bis gutaussehend.
Darüber hinaus sollte man gerne lesen. Die Serie liefert enorm viel Text, was auch zu meiner hohen Lesedauer pro Band geführt hat. Wenn man damit kein Problem hat, wird man sehr, sehr, sehr glücklich mit Liar Game sein. So wie ich.

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