killerconKillercon ist ein Roman über die Anime-, Manga- und damit verbundene Games-Szene. Als Schauplatz wählten die beiden Autoren Steffi Holzer und Lars Erbstößer eine fiktive Convention.
Steffi und Lars sind allerdings nicht irgendwelche Autoren, die einfach mal irgendwas über unsere Szene schreiben. Sie sind richtige Urgesteine, die die Szene in ihren Anfängen aufgebaut und bis heute (und hoffentlich auch noch in Zukunft) mit ihrer Arbeit und ihrem Enthusiasmus haben weiterwachsen lassen.
Animania, MangaSezene, AniMagic und Bonenkai. All diese Dinge gehen mit auf ihr Konto und nun haben sie ihre Finger mit bei dem Publisher Anime House im Spiel.
Sie kennen jede Seite der Conventions, sei es als Veranstalter, Aussteller oder Besucher.
In diesem Sinne dürfte Killercon ja nur so von geballter Authenzität und Kompetenz strotzen. Aber tut es das auch?

Name: Killercon
Autor: Steffi Holzer, Lars Erbstößer
Cover-Illustration: Yaya-chan
Verlag: Anime House
Genre: Krimi, Thriller
Ausgabe: 312 Seiten, broschiert
Erscheinungstermin: 1. März 2016
Preis: 12,95 € (Buchausgabe), 12,99 € (E-Book)
ISBN: 978-3981786200

Mein Gesamteindruck: Als Anime House bekanntgab, dass sie einen Roman veröffentlichen wollten, war ich schon überrascht. Umso spannender fand ich das ganze Unterfangen dann, je mehr ich mich darüber informierte.
Steffi und Lars sind einfach unfassbar gut mit der Szene vertraut und kennen ihre gesamte Entwicklung. All das in einen Kriminalroman eingewoben, klang für mich nach einer richtig guten Idee.
Authenzität ist bei solchen Dinge alles und da kommt man dann eben auch in einen Teufelskreis: Bleibt man authentisch und erklärt allen Nicht-Szene-Mitgliedern die Abläufe einer Convention im Einzelnen, langweilt damit aber andere Con-Veteranen, oder ignoriert man Anime-ferne Leser und bedient so die eingefleischten Fans?
Steffi und Lars entschieden sich fürs Erstere. Eine Entscheidung, die ich grundsätzlich unterstütze.

Zu Beginn des Romans waren die Erklärungen zu den Abläufen einer Convention neben der Vorstellung der Charaktere der klare Schwerpunkt. Wenn man diese – in meinen Augen – etwas zähe Phase überwunden hat (so ca. 80 Seiten), dann kann man das Buch eigentlich nicht mehr weglegen.
Ich muss gestehen, dass es im späteren Verlauf sogar Erklärungen zu spezielleren Szene-Gebieten gab, mit denen ich mich so gar nicht auskenne, die mir dann auch tatsächlich hilfreich waren, um die Ereignisse besser zu verstehen. Die Rechnung geht also auf!
Dennoch ist das Buch etwas für Leser, die schon mal auf einer Convention waren. Denn das im Buch beschriebene Con-Gefühl kann man nur nachvollziehen, wenn man selbst schon einmal auf einer Convention war.
Ich war selbst schon als Besucher, Aussteller und Helfer auf Conventions und kenne damit alle Perspektiven. Und egal aus wessen Perspektive die Geschichte erzählt wurde, ich konnte die Gefühle der Charaktere stets nachvollziehen.

Killercon ist kein Charakterdrama. Hier geht es nicht um Charakterentwicklung, sondern es geht um eine spannende Jagd durch die Szene, die auch mal jenseits der schillernden Oberfläche ausgetragen wird. Unsere Szene ist weit davon entfernt perfekt zu sein, aber man kann sich in ihr wohlfühlen, trotz schwarzer Schafe. Genau das sagt Killercon für mich aus.
Seltsam, oder? Um das zu erkennen, war erst einmal ein Mord nötig.

Als fiktiven Schauplatz diente die Kirameki-Convention, kurz Kira-Con. Wer Death Note kennt, weiß, dass Kira die japanische Umschrift für Killer ist. Der Titel ist damit wirklich geschickt gewählt. Die Räumlichkeiten erinnern sehr an die Stadthalle Kassel, in der alljährlich die Connichi stattfindet.

Krimis sind für gewöhnlich nicht unbedingt mein Metier. Doch wer hat schon etwas gegen eine spannende Geschichte?
Und es war wirklich nervenzerreissend, sage ich euch! Als es um die Aufklärung des Mordes ging, hatte ich diverse Verdächtige im Kopf. Doch mit jedem Puzzleteil musste ich immer fast alles wieder umschmeißen und mir neue Theorien überlegen, wie es hätte sein können. Okay, der Täter, der am Ende entlarvt wird, war zwar immer im engeren Verdächtigenkreis, aber einen richtigen Beweis gab’s bis zum Ende nicht.
Vor allem arbeitet dieser Krimi mal ohne Forensik oder irgendwelcher Hyper-Technologie. Die Charaktere bedienen sich ihrer zur Verfügung stehender Mittel und das auf eine zum Teil schon sehr charmante Art.

Halten Steffi und Lars der Szene einen Spiegel vor? Ja, allerdings einen von der netten Sorte, wie ich finde. Es werden viele Szene-Probleme angesprochen, aber manche Dinge werden auf eine charmante Ebene runtergebrochen. So sind die beiden sich streitenden Lolita-Klone, die sich gegenseitig einen Fall von Plagiat vorwerfen, eher witzig und kaum ernstzunehmen, solche Vorwürfe werden aber tagtäglich im Internet ausgesprochen. Und den betroffenen Personen ist es damit absolut ernst und aufgrund dessen entstehen regelrechte Flamewars.

Fazit: Killercon ist ein tolles Buch. Den Anfang fand ich etwas zäh, weil ich die Verständniserklärungen nicht benötigte, aber danach kam der Roman richtig in Fahrt und bannte mich als Leser in seinen Bann.
Die Szene wird mit einem Augenzwinkern betrachtet. Negative Seiten der Szene werden nicht ignoriert, aber als eher charmant oder witzig dargestellt. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, da ja auch diese schwarzen Schafe der Szene das Buch lesen und sich darin (hoffentlich) peinlich berührt wiederfinden sollen.
Dennoch ist Killercon keine Verherrlichung, sondern ein ernstzunehmender Roman, der gut unterhält und auch gut geschrieben ist.
Wer selbst gerne auf Conventions fährt, sollte mal in Killercon reinschauen und nach sich selbst darin suchen. Da wird bestimmt jeder fündig! 😉

 

Ein herzliches Dankeschön an Anime House für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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